Es gibt Namen, die schon beim bloßen Hören Neugier wecken. „Mata dos Medos“ ist einer davon: Er klingt wie ein Horrorfilm, verbirgt aber eine Geschichte, die viel ruhiger und schöner ist, als der Name vermuten lässt. Nur wenige Minuten von Lissabon entfernt, in der Charneca de Caparica, liegt dieses rund 340 Hektar große Naturschutzgebiet direkt am Meer. Es bietet jahrhundertealte Kiefernwälder, Wanderwege am Rande einer fossilen Steilküste und Ausblicke, die dich vergessen lassen, dass die Hauptstadt gleich um die Ecke liegt.
Ein Name, der jeden in die Irre führt

Niemand muss sich vor der „Mata dos Medos“ fürchten, zumindest nicht aus dem Grund, den der Name vermuten lässt. Laut dem Priberam-Wörterbuch ist ein „medo“ (oder „médão“) eigentlich ein vom Wind am Meer geformter Sandhügel, also eine einfache Düne. Der Name sagt nichts über Geister oder düstere Legenden aus: Er bezieht sich auf die Landschaft, die dort existierte (und teilweise noch existiert), lange bevor der Wald Gestalt annahm.
Der Wald, den ein König gegen die Dünen pflanzen ließ
Die Geschichte beginnt mit einem ganz realen Problem: Die Dünen drangen auf die landwirtschaftlichen Flächen der Region vor, und jemand musste sie aufhalten. Dieser Jemand war König D. João V., der im 18. Jahrhundert Kiefern pflanzen ließ, um den Sand zu binden und dessen Vorstoß nach Osten zu verhindern. Dieser königliche Ursprung brachte dem Wald auch einen anderen Namen ein, der noch heute gebräuchlich ist: „Pinhal do Rei“.
Seit 1971 botanisches Schutzgebiet
Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte nach ihrer Anpflanzung wurde der Reichtum des Ökosystems dieses Waldes offiziell anerkannt: 1971 wurde er als Botanisches Reservat ausgewiesen und gehört heute zum Naturschutzgebiet „Arriba Fóssil da Costa da Caparica“. Entlang eines etwa 5 Kilometer langen Küstenabschnitts dominieren Strandwacholder, Aroeira und Pinheiro-Manso, und wenn du Glück hast, kannst du Rundflügeladler oder Waldkauze über den Baumkronen schweben sehen. Am westlichen Rand des Waldes, wo die Wege direkt an der Steilküste enden, wirst du mit einem Blick auf den Atlantik belohnt, eingerahmt vom Cabo Espichel und der Serra de Sintra. Wer mehr als nur einen Spaziergang machen möchte, für den organisiert das Informationszentrum des Mata dos Medos geführte Touren, Ausstellungen und Workshops zur Umweltbildung.
Auf Wandertour durch die Wege des Waldes

Vom Picknickplatz neben dem Informationszentrum gehenzwei Wanderwegeab, die sich zwischen den Kiefern verzweigen und Abschnitte mit losem Sand mit Holzstegen abwechseln. Unterwegs füllt sich die Luft mit den Düften von Salbei, Rosmarin und Thymian – typisch für die mediterrane Vegetation, die den Wald bedeckt. Einer der meistbesuchten Wege, die„Rota da Flora e Vegetação da Mata dos Medos“, ist ein leichter bis mittelschwerer Rundweg von etwa5 km Länge mit einem kumulierten Höhenunterschied von nur 92 Metern und einer durchschnittlichen Dauer von1 bis 1,5 Stunden, der keine besondere körperliche Vorbereitung erfordert. Das ganze Jahr über organisieren das Informationszentrum und andere lokale Einrichtungen außerdem thematische Wanderungen und Aktivitäten in der Natur, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind und in der Regel im Voraus angekündigt werden.
Ein Wald, der auch zum Buch wurde
Die „Mata dos Medos“ hat nicht nur Wochenendwanderer inspiriert: Sie hat auch einen Schriftsteller inspiriert. Álvaro Magalhães hat in diesem Wald „Contos da Mata dos Medos“ angesiedelt, ein Kinderbuch, das vom Nationalen Leseplan für die 4. Klasse empfohlen wird, mit sprechenden Tieren – einem Igel, einem Maulwurf, einem Specht, einer Schnecke und einer Raupe –, die genau diese Landschaft zwischen Almada und Sesimbra bewohnen.
Wie du von Lissabon aus hinkommst
Der „Mata dos Medos“ liegt etwa 20 bis 30 Minuten von Lissabon entfernt, auf der anderen Seite der 25.-April-Brücke, in der Gemeinde Charneca de Caparica im Landkreis Almada – nah genug für einen Kurzausflug von ein paar Stunden, weit genug, um wie eine andere Welt zu wirken.
Manchmal ist es, als würde man online nach den Neuigkeiten von „Lisboa Secreta“ suchen – wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Nicht mehr! Markiere uns als„Bevorzugte Quelle“.